Fetischismus und politische Ideologie
von Jan Hoff
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D-10969 BerlinDie Frage, ob kritische und wissenschaftliche Erkenntnis der den ökonomischen Kategorien "anhaftenden" Verdinglichungs- und Fetischstrukturen bereits eine hinreichende Grundlage für kritisches Wissen über die Entstehung und Durchsetzung politischer Ideologien biete oder nicht, ist für jene von unmittelbar praktischer Relevanz, die sich nicht mit dem "Ende der Geschichte", mit der ewigen Reproduktion der herrschenden Gesellschaftsverhältnisse abfinden wollen. Im Folgenden soll über einen Exkurs zu Methode und Gehalt Marxscher Ökonomiekritik zu einer Verhältnisbestimmung von ökonomischen Fetischformen und politischer Ideologie gelangt werden. Kritik der politischen Ökonomie
Was die westeuropäische Marx-Forschung angeht, dient ihr speziell seit den 60er Jahren auch das Marxsche Gegenstandstands- und Methodenverständnis seiner ökonomiekritischen Spätschriften als Forschungsgegenstand. In diesem Kontext erscheint eine konsistente Explikation des Marxschen Kritikbegriffs von besonderem Interesse.
In ihrer Promotionsschrift unterstellt Nadja Rakowitz dem Marxschen Kritikmotiv Kohärenz von den "philosophischen" Frühschriften bis zum "ökonomischen" Spätwerk. Als Telos des Marxschen Kritikbegriffs beider Perioden identifiziert sie die Kritik an Entfremdung und Verkehrung, sowie den Aufweis der immanenten Notwendigkeit der verkehrten Daseinsweisen und Existenzformen unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen. Dieser Kritikbegriff sei jedoch nicht an einem normativen Ideal orientiert, es sei seine rein negative Bestimmung als Aufhebung von Entfremdung und Verkehrung hervorzuheben: "Im Gegensatz zu Interpretationen, die das Marxsche Frühwerk von seinem späten "ökonomischen" Hauptwerk trennen wollen, behaupte ich, gerade an diesem Kritikmotiv zeigen zu können, daß sich die philosophische Kritik der Entfremdung von den frühen Ökonomisch-philosophischen Manuskripten bis ins Kapital zumindest als implizit thematisiert durchhält" (1). Rakowitz´ Interpretation der Marxschen Kritikintention weist Analogien zu der von Backhaus auf, der ebenfalls einerseits auf einer Kohärenz von Frühschriften und Hauptwerk in dem Motiv der Kritik an Verkehrungen und andererseits einem dieser Kritik korrespondierenden Begriff revolutionärer Praxis als "reductio ad hominem" (2) insistiert.
Mit dieser These scheint sich Rakowitz (genauso wie Backhaus) im Gegensatz zu Michael Heinrich zu befinden, der nicht von einer Kontinuität Marxscher Kritikintention in Rekurs sowohl auf die Frühschriften als auch das Spätwerk ausgeht, da das Marxsche Verständnis von Wissenschaft und Wirklichkeit die grundlegenden Axiome des theoretischen Feldes bürgerlicher Theoriebildung bis zu den Feuerbachthesen und der Deutschen Ideologie noch keineswegs transzendiert habe. Grundlage für die Ausbildung des Marxschen Paradigmas eines Gattungswesens, von dem sich der Mensch unter kapitalistischen Bedingungen entfremdet habe, sei immernoch der Anthropologismus als axiomatische Grundvoraussetzung bürgerlichen Denkens (3). Nicht nur der Telos des den Marxschen Frühschriften immanenten Kritikbegriffs rekurriere auf ein Verständnis von Wissenschaft und Wirklichkeit, das auch die Grundlage bürgerlicher Theorie abgibt, analog verhalte es sich mit dem Kritikmodus als methodologisch-erkenntnistheoretischem Zugriff auf die Wirklichkeit als Gegenstand.
Meiner Ansicht nach ist die "Verkehrung" nicht nur in den Frühschriften, sondern auch im Spätwerk nach wie vor das entscheidende Moment des Marxschen Kritikbegriffs, doch nicht bloß dessen Telos ist nicht mehr im Konnex eines anthropologischen Gattungsbegriffs zu denken, sondern auch sein Modus hat sich fundamental verändert.
"Die Arbeit, um die es sich handelt, ist Kritik der ökonomischen Kategorien oder if you like, das System der bürgerlichen Ökonomie kritisch dargestellt. Es ist zugleich Darstellung des Systems und durch die Darstellung Kritik desselben". (MEW 29, S. 550)
In der Marxschen Darstellung des Kategorialsystems der politischen Ökonomie als kritischer Formanalyse werden "die Kategorien in einen funktionalen Zusammenhang des Kapitalverhältnisses gebracht und als ontologische Setzungen kritisiert" (4). So bezieht sich Rakowitz auf einen dialektischen Entwicklungs- und Begründungszusammenhang des kategorialen Gefüges der Marxschen Ökonomiekritik: "Die weitere Rekonstruktion der Kritik der politischen Ökonomie müßte, um den Fortgang der Darstellung als einen notwendigen auszuweisen, zeigen, daß sich auf allen Argumentationsebenen Widersprüche ausmachen lassen, die die Unzulänglichkeit ökonomischer Kategorien kritisieren" (5). So verlaufe bei Marx der Darstellungsfortgang als Aufstieg einer "niederen" Kategorie zur "höheren" als Begründung Ersterer durch den dialektischen Übergang. Der Schein von Unmittelbarkeit und Selbständigkeit der ökonomischen Formen würde bei Marx durch dialektische Vermittlung der Kategorien innerhalb einer Totalitätsstrukur destruiert "indem der interne Zusammenhang der gesamten Kategorien kritisch dargestellt wird" (6).
Sowohl in methodischer als auch politischer Hinsicht sei für die Marxsche Ökonomiekritik die Wertformanalyse und das apodiktische Über-sich-Hinausweisen der einfachen Zirkulation, der dialektische Übergang vom Geld ins Kapital, zentral (7). Beansprucht folglich eine Rezeption der Marxschen Ökonomiekritik, welche den Nachfolzug der Überwindung des Standpunktes der Unmittelbarkeit durch die Auflösung des selbständigen und unmittelbaren Scheins der einfachen Zirkulation und des Kategorialgefüges auf der Darstellungsebene der einfachen Zirkulation ins Zentrum rückt, Konsistenz, muß sie notwendig auf den methodologisch-erkenntnistheoretischen Zugriff Marxens auf die Totalität gesellschaftlicher Beziehungen und Verhältnisse als dessen Objekt reflektieren.
In diesem Zusammenhang scheint das berühmte Marxsche "Methodenkapitel" (MEW 13, S. 631-639, bzw. MEGA² II.1.1, S. 35-43) , zu dem eine schweizer Autorengruppe vor einiger Zeit einen systematischen Kommentar vorgelegt hat, von besonderem Interesse.
Deren zentrale Interpretationsprämisse in Bezug auf die von Marx Ende August 1857 konzipierte Methode ist die Differenzierung verschiedener Ebenen als disparate Seinsweisen ökonomischer Formen. So unterscheiden die Autoren eine "Realebene", die als Seinsweise des Gegenstandes der wissenschaftlichen Erkenntnis, des Ganzen der gesellschaftlichen Beziehungen und Verhältnisse, d. h. des selbständigen Subjektes außerhalb des "aneignenden Kopfes" begriffen wird, von einer "Aneignungsebene", auf welcher der Gegenstand in seiner Totalitätsstruktur erkenntnistheoretisch "verarbeitet" wird, d. h. auf die Ebene des Begriffs transponiert wird, und einer "historischen Reflexionsebene", die den Begriff, d. h. die erkenntnistheoretische "Verarbeitung des Gegenstandes in der Wissenschaftshistorie bezeichnet. Analog der Differenzierung von "Real-" und "Aneignungsebene" besitzt das Begriffspaar "abstrakt"-"konkret" auf diesen Ebenen (bzw. in diesen Seinsweisen) disparate Bedeutungen. Auf der "Realebene" gelten "abstrakt" und "konkret" jeweils als reale Seinsweisen oder Existenzformen gesellschaftlicher Verhältnisse und Beziehungen. Auf der "Aneignungsebene" hingegen, wo die objektive Gegenstandsstruktur begrifflich angeeignet wird und die Totalitätsstruktur des Aneignungsobjekts durch genetische Entwicklung (nicht etwa durch unmittelbare Widerspiegelung) als Begriff rekonstruiert wird, indizieren die Termini "abstrakt" und "konkret" die jeweilige Abstraktionsebene oder -stufe dieses Prozesses.
Die erste seiner von den Autoren referierten Bedeutungen begreift das "Konkrete" der "Realsphäre" "als Wirklichkeitssegment, als Gegenstand der Aneignung und Objekt der wissenschaftlichen Arbeit" (8). Dieser Bedeutung korreliert die Marxsche Verwendung des Terminus "konkret" unmittelbar zu Beginn des "Methodenkapitels" als "der wirklichen Voraussetzung [...], die die Grundlage und das Subjekt des ganzen gesellschaftlichen Produktionsakts ist". (MEW 13, S. 631) Der Denkprozeß bleibt an die konkrete Totalität realer Verhältnisse als seine Voraussetzung gebunden. Will der Betrachter das Real-Konkrete sich mittels eines kontemplativen Erkenntnismodus aneignen, erscheint ihm eine "chaotische Vorstellung des Ganzen", (MEW 13, S. 631) eine leere, da unbestimmte Vorstellung. "Das Konkrete erweist sich" hier mangels Bestimmung, d. h. Abstraktion, "als ein Abstraktes" (9) als ein "leeres Wort". (MEW 13, S. 631) Die dritte Bedeutung des Konkretums ist "die konkrete Totalität als Gedankentotalität, als ein Gedankenkonkretum, in fact ein Produkt des Denkens, des Begreifens [...] der Verarbeitung von Anschauung und Vorstellung in Begriffe", (MEW 13, S. 632) "die Zusammenfassung vieler Bestimmungen [...], also Einheit des Mannigfaltigen". (MEW 13, S. 632) Bei dieser "reichen Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen" (MEW 13, S. 631) handelt es sich um das Telos wissenschaftlicher Erkenntnis.
Der "erste Weg" zur Erreichung dieses Erkenntnisziels impliziert, daß die "chaotische Vorstellung des Ganzen", die leere Abstraktion durch "nähere Bestimmung" (MEW 13, S. 631) analytisch auf "einfachere" Begriffe abstrahiert wird. "Von dem vorgestellten Konkreten", das natürlich nicht an sich sondern nur in Bezug auf die "einfacheren" Begriffe unbestimmt ist, geht dieser Analysefortgang hin "auf immer dünnere Abstrakta". Dieses "Zergliedern auf `Begriffsbestimmungen´ hin" (10) ist jedoch intentional-teleologisch, d. h. ihm wohnt auch ein synthetisches Moment inne, denn Abstraktion auf "einfache" Abstrakta betont besonders das kategoriale Entwicklungspotential der einfachsten Bestimmung. Sie dient als Ausgangspunkt einer Entwicklungsstruktur, die den synthetischen, begründenden Rückgang vom Abstrakten zur konkreten Gedankentotalität ausmacht. Als Gegenstand bleibt innerhalb dieses "zweiten Weges", dem synthetischen Aufstieg von der dünn-abstrakten und "einfachen" Ausgangskategorie bis zur konkreten Totalität (qua res cogitans) "das reale Subjekt [...] nach wie vor außerhalb des Kopfes in seiner Selbständigkeit bestehen". (MEW 13, S. 633) (11)
Erkenntnistheoretische Voraussetzung dieser Einheit von geistigem Aneignungs- und Darstellungsprozeß ist Marxens Gegenstandsverständnis einer Totalität realer Beziehungen und Verhältnisse, die von der "einfachen" Ausgangsposition aus kognitiv-rekonstruktiv "entwickelt" werden kann. Erstens beinhaltet dies, daß genauso wie im "ersten Weg" als analytischem Aneignungsprozeß der objektiven Gegenstandsstruktur auch ein synthetisches Moment aufgehoben sein muß - "Forschung auf Darstellbarkeit" (12) -, im Aufstieg vom Abstrakten zum Konkreten als Entwicklungsgang des "Einfachen" auch ein analytisches Inkrement notwendig vorhanden sein muß, da dieser "zweite Weg" nur als genetisch-begriffliche Rekonstruktion eines als selbständig vorausgesetzten Erkenntnisobjekts vollzogen werden kann, d. h. die objektive Gegenstandsstruktur den Darstellungsgang vorgibt.
Die im "Methodenkapitel" ausführlich explizierte Methode ist jedoch keine andere als die im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapital völlig unvermittelt dargestellte: "Die im `Kapital´ angewandte Methode ist wenig verstanden worden. Allerdings muß sich die Darstellungsweise formell von der Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich im Detail anzueignen, seine verschiedenen Entwicklungsformen zu analysieren und deren inneres Band aufzuspüren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden. Gelingt dies und spiegelt sich nun das Leben des Stoffes ideell wider, so mag es aussehen, als habe man es mit einer Konstruktion a priori zu tun". (MEW 23, S. 27)
So ist gerade der Marxsche Kritikbegriff als Kritik an "Verkehrungen" in sein Gegenstandsverständnis, wie es im "Methodenkapitel" dargestellt ist als Totalität gesellschaftlicher Verhältnisse, eingebettet. Marx bemüht sich, mit der Dechiffrierung des eigentümlichen Objekttypus als ein Ganzes gesellschaftlicher Beziehungen die Konstitution einer "ökonomisch-sozialen Gegenständlichkeit" als Form der Gesellschaftlichkeit der Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen aufzuzeigen. Dieses gesellschaftliche "Kommensurabilitätsverhältnis" als Vergesellschaftungsform der Arbeit ist die Wert-Gegenständlichkeit des "absoluten" Werts. Dieser existiert jedoch immer nur als Inhalt einer Wert-Form "als verdinglichtes Dasein jener sozialen Verhältnisbestimmung" (13). Mit dem Aufstieg vom Abstrakten zum Konkreten als genetisch-rekonstruktiver Nachvollzug der Konstitution der real-konkreten Totalität enthüllt Marx diese Konstitution der objektiven Gegenstandsstruktur im gesellschaftlichen Produktionsakt "als systematische Verdeckung und Verschleierung der wirklichen Vergesellschaftungsverhältnisse" (14). "Derartige Formen bilden eben die Kategorien der bürgerlichen Ökonomie. Es sind gesellschaftlich gültige, also objektive Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse dieser historisch bestimmten gesellschaftlichen Produktionsweise [...]". (MEW 23, S. 90) Innerhalb der Marxschen Darstellungslogik ist die durch den "notwendigen Schein" geprägte Oberfläche "kein separierter Raum, ihre Elemente werden auf den jeweiligen Darstellungsebenen immer schon mitentwickelt" (14). Auf dieser Folie erschließt sich die bekannte Marxsche Emphase, sein Werk sei als "Kritik der ökonomischen Kategorien" "zugleich Darstellung des Systems und durch die Darstellung Kritik desselben". Erst in Rekurs auf dieses Gegenstandsverständnis wird die Marxsche Kritikintention zugänglich.
Fetischformen in der Marxschen Darstellung
An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, welche der fetischisierten Oberflächenerscheinungen der politischen Ökonomie Marx für unmittelbar politisch-ideologisch relevant hielt.
Die sachliche Eigenschaft des "Wertseins" verdeckt den Charakter der abstrakten Wertgegenständlichkeit als einer im Austausch gewaltsam hergestellten gesellschaftlichen Kommensurabilitätsbeziehung und -form dinglich verschiedener Austauschprodukte. Da diese Kommensurabilitätsform mit dem Charakter der übergreifenden Allgemeinheit die Elementarform kapitalistischer Vergesellschaftung schlechthin ist - kann sie nur in einer jenem übergreifenden Allgemeinen entsprechender Formbestimmtheit existieren - der Geldform. Doch in der einfachen Zirkulation existiert der Wert als verschwindender, nur in der "logischen Sekunde" der momenthaften, gewaltsamen (Real-)Abstraktion von der Besonderheit der unterschiedlichen Austauschprodukte. Damit der Wert als verselbständigter existiere, muß er "aus einem handgreiflichen Ding" (in seiner verdinglichten Geldgestalt) "zu einem Process werden" (MEGA² II.1.1, S. 187), in welchem "die im Tauschwerth vergegenständlichte Arbeit die lebendige Arbeit als ein Mittel seiner Reproduction sezt" (MEGA² II.1.1, S. 187) - d. h. im Kapitalverhältnis wird die Kommensurabilitätsbeziehung des "Wertseins" als Prozeß reproduziert. Hier erscheinen sämtliche Kapitalbestandteile als wertschaffend, wie auch die Produktivkraft der lebendigen Arbeit unter den Bedingungen des Kapitalverhältnisses als quasi-natürliche Eigenschaft des Kapitals gilt (Kapitalfetisch). Dieses erscheint wiederum als zinstragendes (in der Form G - G´) als "sich selbst verwertende[r] Wert, ohne den Prozeß, der die beiden Extreme vermittelt" (MEW 25, S. 404).
Entsprechend dem kategorialen Fortgang qua Verselbständigung des Werts wären hiermit die kategorialen Verdinglichungen und fetischisierten Oberflächenerscheinungen in ihrer Sukzession kurz angesprochen, die innerhalb der kategorialen Reichweite des Strukturbegriffs des "Kapital im Allgemeinen" ursprünglich abgehandelt werden sollten. Bei sämtlichen hier angesprochenen ökonomischen Formen, die von Marx als "ontologische Setzungen kritisiert" und als historisch entstandene, durch geschichtliche (Klassen-)Kämpfe sich reproduzirende Sozialverhältnisse ausgewiesen werden, handelt es sich um "Daseinsformen, Existenzbestimmungen, [...] einzelne Seiten dieser bestimmten Gesellschaft" (MEW 13, S. 637), der Totalität kapitalistischer Verhältnisse. Um einen Begriff der gesellschaftlichen Wirklichkeit in ihrer Totalitätsstruktur zu erlangen, war die Kritik und Darstellung ihres kategorialen Zusammenhangs für Marx eine Notwendigkeit, auch und gerade unter dem Gesichtspunkt der vom ihm vetretenen Hoffnung auf einen Umsturz der bestehenden Verhältnisse. Dennoch - und dies gilt selbst für den Kapitalfetischismus und die sog. Trinitarische Formel - hat Marx eine unmittelbare Konnotation dieser Fetischformen mit politischen Ideologien (sowie den entsprechenden politisch-sozialen Praxisformen) nicht thematisiert. Die Abwesenheit eines direkten Zugriffs auf die politisch-ideologische Sphäre des Überbaus in Marxens Behandlung der Fetischformen muß einigermaßen erstaunen - um so mehr, weil es (wie gleich gezeigt werden soll) hier eine bemerkenswerte Ausnahme gibt.
Fetischismus, politische Ideologie und ideologische Staatsapparate
Der Begriff des Fetischismus bezeichnet eben nicht eine "unwahre" Erscheinungsform gesellschaftlicher Verhältnisse, deren reale Struktur auf der gesellschaftlichen Oberfläche nicht erkennbar ist, sondern die einzig mögliche (sowie wirkliche) Art der Existenz kapitalistischer Verkehrs- und Produktionsverhältnisse ist diejenige in verdinglichter (bzw. fetischisierter) Form.
Ein derartiges Fetischismusverständnis besitzen auch die in erster Linie von der strukturalistischen Marx-Exegese Louis Althussers beinflußten Marxisten Jannis Milios und Dimitri Dimoulis. Ihrer Interpretation gemäß sei die Ware des ersten Kapital-Kapitels nur zu denken als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise. Folglich sei die Marxsche Fetischismusanalyse auch nicht auf den eigentlichen "Fetischabschnitt", den vierten Abschnitt des Anfangskapitels, beschränkt; der Waren- und Geldfetischismus muß notwendig übergehen zum Kapitalfetischismus.
Verdienstvoll unter dem Aspekt des konkret-revolutionären Praxisbezugs ihrer Fetischismus-Analyse ist besonders, daß Milios/Dimoulis das Verhältnis des Fetischismus zu Politik und politischer Ideologie thematisieren. Was ihre Begrifflichkeit und ihre Argumentationsrichtung in diesem Kontext angeht, folgen die Autoren wesentlich Louis Althusser; so heben sie die Rolle der ideologischen Staatsapparate (iSA) hervor, jener (im Gegensatz zum sog. repressiven Staatsapparat nicht unbedingt staatseigenen, aber der Funktion nach herrschaftssichernden) "Instanzen der Reproduktion der allgemeinen Funktionsbedingungen der gesellschaftlichen Verhältnisse", deren ideologische Hegemonie die Reproduktion der Produktionsverhältnisse gewährleiste. Das Produkt der iSA, die hegemoniellen Ideologien "werden von allen Gesellschaftsmitgliedern akzeptiert und als Ausdruck der Wahrheit des Gesellschaftslebens erlebt", da die Ideologie eine "notwendige (wie auch imaginäre) Beziehung der Individuen zu ihren Existenzbedingungen" (16) darstelle. Eine herrschende Ideologie sei "eine gesellschaftlich erzeugte Wahrheit, die mit der Notwendigkeit bestimmter Praxisarten in jeder Gesellschaft zusammenhängt" (17). So ist einsichtig, wie Ideologien z. B. als Apologetiken von Hierarchien die Praxisform strikter Über- und Unterordnung von Menschen in ihren wechselseitigen Verhältnissen reproduzieren.
In Anschluß an die Theorie der iSA schlußfolgern Milios/Dimoulis ganz konsequent: "Der Fetischismus kann uns also keine Theorie der Politik und der Macht geben, d. h. keine Erklärung für die Orte der eigentlichen Ideologieproduktion" (18). Gerade weil es keine durch Fetischismen bestimmte "unabwendbare ökonomische Notwendigkeit" gebe, die den Individuen Praxisformen aufdrängt, ergäbe sich die Möglichkeit einer Umwälzung der Produktionsverhältnisse.
An dieser Stelle will ich zu Milios/Dimoulis zwei kritische Bemerkungen vorbringen: die erste bezieht sich auf die Frage, ob Marx wirklich auch noch in seinem ökonomiekritischen Spätwerk davon ausging, daß die "Gedanken der herrschenden Klasse [...] in jeder Epoche die herrschenden Gedanken" (MEW 3, S. 46) seien. Die mit dieser Frage aufgeworfene Problematik des Marxschen Methoden- und Gegenstandsverständnisses, sowie seiner persönlichen Entwicklung in Bezug auf erkenntnistheoretisch-methodologische Fragen soll hier als überaus wichtiges Forschungsfeld bloß angesprochen werden.
Auszuführen dagegen ist ein zweiter Einwand, der sich Milios/Dimoulis scheinbar abseits ihrer eigenen Argumentationsrichtung selbst aufdrängt. In bestimmten Gesellschaften - so die beiden Autoren - "lassen sich immanente Verdeckungseffekte feststellen". Hierbei handele es sich um interne Notwendigkeiten der jeweiligen Produktionsweise, welche nicht vom sog. ideologischen Überbau erzeugt werden, dagegen den ökonomischen Produktionsverhältnissen selbst entspringen: "Dies hat eine besondere Bedeutung für die politischen Herrschaftsverhältnisse sowie für die Ausgestaltung der ideologischen Ebene in den entsprechenden Gesellschaften" (19).
Als Beispiel erwähnen Milios/Dimoulis u. a. die folgende berühmte Marxsche Ausführung: "Man begreift daher die entscheidende Wichtigkeit der Verwandlung von Wert und Preis der Arbeitskraft in die Form des Arbeitslohnes oder in Wert und Preis der Arbeit selbst. Auf dieser Erscheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und gerade sein Gegenteil zeigt, beruhen alle Rechtsvorstellungen des Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusionen, alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie" (MEW 23, S. 562).
Durch die Verwandlung des (auf einen bestimmten Zeitabschnitt bemessenen) Wertes der Arbeitskraft in den Wert, bzw. Preis der Arbeit "verbirgt [...] das Geldverhältnis das Umsonstarbeiten des Lohnarbeiters" (20), da auch "die Mehrarbeit oder unbezahlte Arbeit als bezahlt" (MEW 23, S. 562) erscheint. Der Preis der Arbeit ist ein ebenso irrationeller wie notwendiger Ausdruck für den Wert der Arbeitskraft. Letztere wird auf dem Arbeitsmarkt (d. h. innerhalb der Zirkulationssphäre) vom Arbeiter an den Kapitalisten verkauft, der damit dem Kapitalisten anheimfallende Gebrauchswert ist jedoch die Funktion der Arbeitskraft innerhalb des Produktionsprozesses, eben die Arbeit selbst. Wie unerbittlich Marx denjenigen innerhalb der zeitgenössischen Arbeiterbewegung verbreiteten Ansichten gegenübertrat, die dem Lohnfetisch geschuldet waren, läßt sich an seinen Schriften Lohn, Preis und Profit (MEW 16, S. 103-152) sowie Kritik des Gothaer Programms (MEW 19, S. 13-32) ersehen. Dies tat Marx besonders, weil die Fetischkategorie des Lohns unmittelbar zum Ausgangspunkt von politischen Forderungen seitens der Arbeiterbewegung wurde, was bei den anderen Fetischkategorien nicht der Fall war.
Die "ökonomischen" Praxisformen kapitalistisch vergesellschafteter Produktionsagenten, ihre ökonomischen Charaktermasken, können sich nur auf der Grundlage eines Bezugs dieser Produktionsagenten zur Totalität des kapitalistischen Reproduktionsprozesses herausbilden - und jener Bezug wird über den Zusammenhang der diversen Fetischismen vermittelt. Diese für die Reproduktion der ökonomischen Basis notwendigen Praxisformen/Charaktermasken, deren Strukturierung auf der Grundlage der verdinglichten und fetischisierten Oberflächenerscheinungen der kapitalistischen Verkehrs- und Produktionsverhätnisse nicht zu leugnen ist, müssen jedoch von unmittelbar politischen Ideologien unterschieden werden.
Schlußexkurs zum Problem der Vermittlung von "ökonomischen Charaktermasken" und politischer Ideologie
Da das Kapitalverhältnis trotz seiner Prozessualität in jedem Moment zugleich "in der Form der Gegenständlichkeit existirt" (MEGA² II.1.1, S. 186), wird im Alltagsbewußtsein der Produktionsagenten die "Erscheinungsform des Capitals" in Gestalt der Zirkulationskategorie des Geldes notwendig "mit dem Capital selbst verwechselt [...], oder als die einzig adaequate Form desselben betrachtet [...]" (MEGA² II.1.1, S. 183). Es ist nur durch wissenschaftliche Erkenntnis möglich, einen adäquaten Begriff des wesentlichsten Verhältnisses der kapitalistischen Totalität zu erlangen; dem kontemplativen Betrachter bleibt entweder die Empirie oder Vorstellung einer Geldsumme. Die Wirklichkeit des qualitativen Klassenunterschiedes löst sich auf der fetischisierten Oberfläche auf in die nunmehr bloß quantitative Differenz der Revenuen.
Die Zirkulationskategorie des Geldes, diese "abstrakte Sphäre[n] des Productionsprozesses des vorausgesezten Capitals" (MEGA² II.2, S. 83), bzw. sein Korrelat, der Geldfetisch, läßt ein gesellschaftliches Ausbeutungsverhältnis in der Form qualitativer Gleichheit der Revenuen einerseits, juristischer Gleichheit und Freiheit der Produktionsagenten als Rechtssubjekte andererseits erscheinen. Die Unmittelbarkeit der Zirkulationssphäre - "woraus der Freihändler vulgaris Anschauungen, Begriffe und Maßstab für sein Urteil über die Gesellschaft des Kapitals und der Lohnarbeit entlehnt" (MEW 23, S. 190/191) - erscheint als gleichermaßen Selbständige. Für die Subjektivitätsform der Produktionsagenten der kapitalistischen Produktionsweise sind die Charaktere der rechtlichen Freiheit, der Gleichheit, sowie des Eigennutzes konstitutiv. Aber ist bei Marx diese monadische Subjektivitätsform der "ökonomischen Basis" zur politisch-ideologischen Sphäre des sog. Überbaus vermittelt?
In den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten von 1844 kündigte Marx an, "in verschiedenen selbständigen Broschüren die Kritik des Rechts, der Moral, Politik etc. aufeinaner folgen zu lassen und schließlich in einer besonderen Arbeit wieder den Zusammenhang des Ganzen, das Verhältnis der einzelnen Teile" (MEW 40, S. 467) zu liefern. Dieses Ziel einer Totalitätsanalyse bürgerlicher Verhätnisse beschränkte Marx später zugunsten der Programmatik einer Kritik der politischen Ökonomie; als Marx im Kontext des fortschreitenden Selbstverständigungsprozesses bezüglich Methode und Gegenstand die ersten systematischen Aufbaupläne konzipierte - zuerst August 1857 in der berühmten Einleitung (MEGA² II.1.1, S. 43), dann ab März/April 1858 im Nexus des sog. 6-Bücher-Plans (MEW 29, S. 554, bzw. S. 312) - beinhaltete seine Kategorialanalyse "nur noch" den Staat (als politische Sphäre) in Bezug auf die reduzierte Programmatik der Ökonomiekritik. Das noch immer umstrittene Schicksal des 6-Bücher-Entwurfs (eingeschränkter Fortbestand/Modifikation/Aufgabe) ist hier nicht Gegenstand; es bleibt festzuhalten, daß der darstellungslogische topos einer Behandlung der politischen Sphäre, sowie deren Funktionen, in den ökonomiekritischen Spätschriften sich in Kohärenz mit der kritischen Darstellung des Gesamtsystems der kapitalistischen Produktionsweise "in ihrem idealen Durchschnitt" (MEW 25, S. 839) befinden muß.
Darüber geht Marx in der Kritik der politischen Ökonomie nicht hinaus. Eine Rezeption der Marxschen Betrachtungen über "das Politische", bzw. "Politisch-Ideologische" muß sich zunächst immer einer hinreichenden Reflexion auf den programmatischen topos, die kategoriale "Logik" sowie den argumentativen Diskurs versichern, innerhalb dessen Marx seine Äußerungen hervorbringt. Hiermit steht das Theorie-Praxis-Verhältnis bei Marx im Allgemeinen und das Verhältnis seiner ökonomiekritischen Programmatik zu seiner vielfältigen publizistischen und praktisch-politischen Tätigkeit innerhalb der zeitgenössischen Arbeiter- und Emanzipationskämpfe im Besonderen zur Debatte.
Im Gegensatz u. a. zu Althusser impliziert in Marxens Ökonomiekritik die Frage nach der Reproduktion der Produktionsverhältnisse keineswegs die Sphäre des Politisch-Ideologischen sowie der korrespondierenden Praxisformen. Daß sich eine nicht-unmittelbare Verhältnisbestimmung des Politisch-Ideologischen zur oben explizierten Subjektivitätsform kapitalistischer Produktionsagenten, wie sie sich auf der Grundlage des unmittelbaren und selbständigen Scheins der Zirkulationssphäre herausbildet, äußerst problematisch gestaltet, ist evident.
Hegemonielle politische Ideologien, die eine vorbehaltlose Identifikation mit Kollektiven fordern, und die mit der Intention vorgetragen und verbreitet werden, staatliche Zwangsverhältnisse und/oder diverse Diskriminierungsstrukturen zu legitimieren und die konkrete Ausbildung entsprechender politischer Praxisformen unterstützen, können kaum sinnvoll zu einer Subjektivitätsform in Beziehung gesetzt werden, als deren konstitutive Momente juristische Freiheit und Gleichheit gelten. Andererseits können "die ideologischen Apparate den individuenkonstituierenden Fetischismus politisch verwerten" (21), obwohl - darauf insistieren Milios/Dimoulis zurecht - "der Fetischismus an sich" (als Verdinglichung oder Verkehrung gesellschaftlicher Verkehrs- und Produktionsverhältnisse) niemals als selbständige ideologische Kraft existieren kann. Die diversen iSA müssen im Sinne der Reproduktion der Produktionsverhältnisse funktional sein, indem sie die jeweilige "Rohmaterie" (die Oberflächenerscheinung gesellschaftlicher Verhältnisse) verarbeiten, ihr Konsistenz zu verleihen und ihre ideologische Hegemonie herzustellen trachten (22). Die iSA stellen überhaupt den topos dar, in dem sich - mit Althusser gesprochen - Ideologien materialisieren und innerhalb dessen die korrespondierenden Praxisformen entfaltet werden.
Die von Milios/Dimoulis geteilte Auffassung, "je nach konkreter Situation" würden solche Ideologien, die der "Idee und Praxis des Primats der Individuen" entsprechen, "aktiv vorgetragen [...] oder sie" würden "in den Hintergrund versetzt" (23), ist aber dahingehend zu modifizieren, als diese Aussage die Ideologien emphatisch in die Nähe manipulativer Strukturen rückt und übersieht, daß innerhalb der iSA ein permanenter Kampf um ideologische Konsistenz und Hegemonie geführt wird, erstens zwischen den einzelnen Fraktionen der Herrschaftseliten selbst, zweitens im politisch-ideologischen Kampf gegen die Möglichkeit einer "organischen Ideologie" (Gramsci) der Subalternen
Anmerkungen:
(1) Nadja Rakowitz, Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie, Freiburg 2000, S. 191
(2) Hans-Georg Backhaus, Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik, Freiburg 1997, S. 407
(3) Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, 2. überarb. und erw. Auflage, Münster 1999
(4) Nadja Rakowitz, Einfache Warenproduktion, S. 209
(5) Ebd., S. 150
(6) Ebd.
(7) Vgl. ebd., S.216
(8) Judith Janoska/Martin Bondeli/Konrad Kindle/Marc Hofer, Das "Methodenkapitel" von Karl Marx. Ein historischer und systematischer Kommentar, Basel 1994, S. 61
(9) Ebd., S. 64
(10) Ebd., S. 69
(11) Zur Differenz von Marx und Hegel in diesem Punkt vgl. ebd., S. 111ff.; vgl. auch Dieter Riedel, "Hegel ... Bedürfniß, Arbeit". Differenzen im Hegelverständnis von Marx und Engels, in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1994, Quellen und Grenzen von Marx´ Wissenschaftsverständnis, Hamburg 1994, S. 5-31
(12) Winfried Schwarz, Vom Rohentwurf zum Kapital, Die Strukturgeschichte des Marxschen Hauptwerkes, West-Berlin 1978, S. 22
(13) Helmut Brentel, Soziale Form und ökonomisches Objekt. Studien zum Gegenstands- und Methodenverständnis der Kritik der politischen Ökonomie, Opladen 1989, S. 14
(14) Ebd., S. 15
(15) Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, S. 306
(16) Jannis Milios/Dimitri Dimoulis, Werttheorie, Ideologie und Fetischismus, in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1999, Marx Ökonomiekritik im Kapital, Hamburg 1999, S. 53
(17) Ebd., S. 54
(18) Ebd.
(19) Ebd., S. 49
(20) Es mag Stellen im Marxschen Werk geben, die speziell das Geldverhältnis in Kontext von "Verkehrungen" thematisieren, denen Marx unmittelbar politische Implikationen zurechnete: "D[ie] absolut Simplen, d. h. d[ie] biedern unwissenden Demokraten, kennen d[as] Geld blos im Handel zwischen dealers u[nd] consumers [...] Von Klassengegensatz ist in diesem Austausch nicht d[ie] Rede" (aus Marxens Reflection, enthalten im VII. Londoner Exzerptheft von 1851, zitiert nach Fred E. Schrader, Restauration und Revolution, Die Vorarbeiten zum Kapital von Karl Marx in seinen Studienheften 1850-1858, Hildesheim 1980). Wenn Schraders Kommentar zu Marxens Verständnis des Geldsystems in Reflection verifiziert wird, Marx habe "insbesondere [...] den Austausch zwischen Lohnarbeit und Kapital" (ebd., S. 89) im Blick, so läßt sich obiger Rekurs auf das Politische im Nexus des von Marx später eruierten Begriffs des Lohnfetischs deuten.
(21) Jannis Milios/Dimitri Dimoulis, Werttheorie, Ideologie und Fetischismus, S. 55
(22) Im Rohentwurf schreibt Marx, daß die Paradigmen der "Gleichheit und Freiheit [...] nicht nur [...] im Austausch, der auf Tauschwerthen beruht", akzeptiert werden. Vielmehr sei "der Austausch von Tauschwerthen [...] die productive, reale Basis aller Gleichheit und Freiheit. Als reine Ideen sind sie blos idealisirte Ausdrücke desselben; als entwickelt in juristischen, politischen, socialen Beziehungen sind sie nur diese Basis in einer anderen Potenz" (MEGA² II.1.1, S. 168; leicht verändert im Urtext: siehe MEGA² II.2, S. 60). Die von Marx nicht explizierte Problematik einer Vermittlung der "ökonomischen Charaktermaske" des Warenbesitzers/-tauschers zu jener Ebene von besagter "anderer Potenz" fiele aus der emphatischen Programmatik einer Kritik der politischen Ökonomie heraus. Dementsprechend stellt Marx auch nicht die Frage nach den topoi der "Produktion" individuenzentrierter politischer Ideologien.
(23) Jannis Milios/Dimitri Dimoulis, Werttheorie, Ideologie und Fetischismus, S. 55