Gewalt erzeugt immer nur Gegengewalt
Das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) fordert  Ende der Kampfhandlungen in Gaza und eine ausgewogene Friedenspolitik von Bundesregierung und Europäischer Union

01/09

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Bonn, den 9.1.2008. Das forumZFD fordert eine sofortige Einstellung der militärischen Aktionen der israelischen Armee im Gazastreifen und ein Ende des Raketenbeschusses israelischer Städte durch die Hamas. Unzählige Erfahrungen nicht zuletzt im israelisch-palästinensischen Konflikt bestätigen immer wieder: Gewalt erzeugt nur Gegengewalt.

„Aufgabe der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der Europäischen Union und der Bundesregierung ist es, den Konfliktparteien durch Unterstützung und politischen Druck Vertrauen in eine nachhaltige Lösung des Konflikts zu geben, so dass sie von einseitigen, gewaltsamen Schritten ablassen. Deutschland und die EU müssen eine stärkere Vermittlerrolle im Konflikt einnehmen. Wir rufen deshalb die Bundesregierung auf, endlich mit allen Akteuren einschließlich der Hamas nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Die Politik der Isolierung von Hamas ist gescheitert“, äußert sich Tilman Evers, Vorsitzender des forumZFD.

Die Regionalkoordinatorin des forumZFD in Jerusalem, Susanne Drake, äußert sich sehr besorgt: „Alle unsere Partnergruppen auf palästinensischer wie israelischer Seite beklagen, dass mit dem Krieg die Chancen einer nachhaltigen Lösung des Konfliktes in noch weitere Ferne rücken. Wir befürchten daher, dass in Zukunft unsere Verständigungsarbeit noch schwieriger wird.“ Seit vielen Jahren ist das forumZFD mit Friedensprojekten darum bemüht, den Dialog unter Palästinensern und Israelis zu fördern und Versöhnungsprozesse zu unterstützen.

Das forumZFD hält die derzeitige Militäraktion, unter der vor allem die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen zu leiden hat, für zerstörerisch für den dringend notwendigen Friedensprozess in der Region. Der Krieg wird nicht zur Befriedung beitragen, sondern das Gegenteil bewirken. Er verstärkt den Hass und die Wut der Völker gegeneinander und erschwert den Weg zu einer politischen und dauerhaften Lösung des Konflikts.

Keine Konfliktpartei wird ihre Ziele mit Gewalt erreichen können. Eine Waffenstillstandsvereinbarung ist daher vordringlich. Sie muss die berechtigten Interessen Israels ernst nehmen und ein Ende des Raketenbeschusses israelischen Gebiets sowie eine Abrüstung der Hamas – gegebenenfalls durch internationale Präsenz - gewährleisten. Die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen muss über ein unmittelbares Ende des Embargos hinaus eine Perspektive für ein menschenwürdiges, freies Leben erhalten.

Der Beschuss israelischer Städte durch die Hamas ist ein Verstoß gegen die Genfer Konvention. Indem sie aus dicht besiedeltem Gebiet und zivilen Einrichtungen militärisch agiert, nimmt die Hamas die eigene Zivilbevölkerung als Geisel. Aber auch Israel verstößt gegen internationales Recht – u.a. mit dem Beschuss von medizinischen Einrichtungen, Moscheen oder Schulen, der Inkaufnahme von ‚Kollateralschäden’ in der Zivilbevölkerung und dem Einreiseverbot von Journalisten in den Gaza-Streifen. Dieser Krieg hat bislang über 600 Todesopfer gefordert, melden Beobachter vor Ort, darunter fast 200 Kinder. Wir fordern aus all diesen Gründen die Bundesregierung auf, sich zeitnah für eine völkerrechtliche Überprüfung der Kampfhandlungen und die Verfolgung von Kriegsverbrechen, gleich von welcher Seite sie begangen werden, einzusetzen.

Editorische Anmerkungen

Den Text erhielten wir von forumZFD.

Das forumZFD ist eine Dachorganisation von 44 Mitgliedsorganisationen und mehr als 130 Einzelmitgliedern. Es setzt sich für die Entwicklung ziviler Methoden der Konfliktbearbeitung und des Zivilen Friedensdienstes ein. Fachkräfte des forumZFD sind in Projekten im westlichen Balkan, in Nahost, auf den Philippinen und in Deutschland tätig. In seiner Akademie für Konflikttransformation bietet das forumZFD Qualifizierungen zur Friedensfachkraft an.

Weitere Informationen: www.forumZFD.de

Forum Ziviler Friedensdienst e. V.
Wesselstraße 12, 53113 Bonn

Pressekontakt
Heinz Wagner, Geschäftsführer
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